das ist kunst

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Eigenproduktion
von Iwan Wyrypajew

MIT Vivianne Mösli, Ingo Ospelt
REGIE Udo van Ooyen
Ausstattung Beni Küng
Musik Sandro Corbat
Deutschsprachige Erstaufführung

 

Eine Komödie über die Liebe, in der alles möglich ist

Es beginnt ganz harmlos und wohlbekannt: SIE und ER sitzen im Theater. Auf der Bühne: Ein Mann und eine Frau in einer Liebesszene. Ein Theaterabend also, wie es viele gab und gibt.

Alles könnte seinen gewohnten, unspektakulären Gang gehen: Man sieht ein Stück, man unterhält sich, man trinkt einen Sekt in der Pause, man geht nach Hause. Wäre da nicht diese eine Frage, die plötzlich auftaucht, und die SIE nicht mehr loslässt: «Ist das dort auf der Bühne echte Liebe, oder ist sie nur dargestellt?» Was scheinbar einfach zu beantworten sein sollte, wird plötzlich komplexer und komplizierter, wächst sich aus, wuchert weiter, wird grösser und grösser. Wird zu einem Tanz von Spiel und Realität, der die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum immer mehr verschwimmen lässt...

Iwan Wyrypajew ist einer der formbewusstesten und poetischsten Dramatiker unserer Zeit. Auf geniale Weise, lustvoll und leicht, pendelnd zwischen Tragik und Komik, spielt er in seinen Theaterstücken immer wieder mit der Auflösung sämtlicher Gewissheiten. Aus Realitäten werden Trugbilder, nichts hat Bestand, alles ist Illusion, und doch ist alles erfüllt von Liebe.

DER AUTOR
Iwan Wyrypajew, geb. am 3. August 1974, beendete seine Ausbildung zum Schauspieler 1995 an der Theaterschule in Irkutsk. Danach war er Schauspieler im Fernen Osten Russlands, einmal am Theater für Dramatische Künste in Magadan und danach am Theater für Dramen und Komödien der Stadt Petropawlowsk-Kamtschatski auf der Halbinsel Kamtschatka, wo er den Regisseur Viktor Ryjakow kennenlernte. Nach seiner Rückkehr nach Irkutsk im Jahre 1998 gründete er seine eigene Theater-Kompanie Espace de jeu (Spielplatz). Gleichzeitig studierte er per Fernstudium das Fach Regie in Moskau an der Schtschukin-Theaterhochschule. In den Folgejahren bildete er am Theater in Irkutsk Schauspieler aus und schrieb seine ersten Theaterstücke. Beim ersten Festspiel für Dokumentartheater in Moskau im Jahr 2000 spielte er selbst in seinem Stück Die Träume.
2001 verließ Wyrypajew Irkutsk auf den Druck der lokalen Mächtigen und ging nach Moskau, wo er an der Gründung des Theaterzentrums teatr.doc teilnahm, welches sich auf neue Stücke mit sozialem Hintergrund konzentriert. Die Träume vertrat im gleichen Jahr Sibirien beim Festival Ost-West in Die in Frankreich. 2002 war er beim Monat des russischen Theaters im Théâtre de la Cité internationale in Paris als Mitglied der Truppe Moscou sur scène. Sein Stück Kislorod (deutsch: Sauerstoff), bei dem Wyrypajew selbst auftrat, wurde 2003 in Moskau durch Viktor Ryjakow uraufgeführt und in den Jahren bis heute, auch in Deutschland, erfolgreich inszeniert, zuletzt 2013 im Werstatt-Foyer des Theater Bonn. 2005 führte er bei seinem ersten Spielfilm Euforija Regie und schrieb das Drehbuch. Seine zweite Ehefrau Polina Agurejewa spielte bei diesem Film mit.

Nach dem Russischen Überfall auf die Ukraine 2022 kündigte er an, all sein in Russland verdientes Geld in der Ukraine zu spenden. Sogleich wurden kaum mehr Stücke von ihm in Russland aufgeführt, für die verbleibenden verzichtete er auf seine Rechte. Schon nach der Verhaftung von Nawalny 2021 hätte er sich seiner Aussage nach fragen müssen, ob er moralisch überhaupt jemals nach Russland zurückkehren könne. Er sei vom Schweigen mancher Kollegen enttäuscht. Explizit wünschte er auf Wikipedia als polnischer Regisseur mit russischer Herkunft genannt zu werden. 2023 wurden russische Buchhandlungen und Bibliotheken angewiesen, seine Werke aus dem Angebot zu nehmen. Das Kulturministerium in Moskau dementierte allerdings, dass es Listen mit «verbotenen Büchern» gebe.