flüstern in stehenden zügen

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Eigenproduktion
VON Clemens J. Setz

MIT Martin Butzke
REGIE Johanna Zielinski
DRAMATURGIE Zoé Kilchenmann
AUSSTATTUNG Thurid Goertz
MUSIK/SOUND Philipp Wiechert
Schweizer Erstaufführung

 

«Es ist meist alles so traurig auf dem Planeten. Es geht nicht ohne Trost, das Ganze.»

C ist einsam. Seine Frau ist gestorben, aber danach fragt niemand. Einzige Verbindung zur Welt ist sein Telefon, und damit will er «zum Erdkern vordringen». Dafür wählt C die Hotline-Nummern aus Spam-Mails. Am anderen Ende heben Ulrichs, Angelikas, Walters ab: gebrochenes Deutsch, unterschiedliche Akzente, der immer gleiche Gesprächsleitfaden. Die Callcenter-Mitarbeiter:innen sitzen in Grossraumbüros im Ausland und geben vor, für Microsoft, das Steueramt oder für C´s Stromanbieter zu agieren. Er durchschaut ihre Masche und entschlüsselt die Taktik hinter dem Fragenkatalog der Abzocker. Doch ist für ihn das Leiden an der Vorspiegelung falscher Tatsachen längst zu einem globaleren, einem existentiellen Schmerz geworden. Sein erklärtes Ziel wird zur obsessiven Mission: den Hotline-Zombies das Roboterdasein austreiben. Er nennt es «Zwangsmenschwerdung». Dabei wünscht er sich nichts sehnlicher, als dass ihn jemand bei seinem Namen nennt: C will gemeint sein.

«Flüstern in stehenden Zügen» ist ein Stück über die emotionale Vereinsamung in einer informationsgefluteten Welt, in welcher alle miteinander vernetzt sind, aber zwischenmenschliche Annäherungen auf der Strecke bleiben. Clemens J. Setz verrückt in seinem Stück mit sprachlichem Feinsinn seine Figur in einen skurrilen, magischen Realismus und zeichnet ein Porträt der Vereinzelung, das humorvoll die Absurditäten der Globalisierung offenlegt.

DER AUTOR
Clemens J. Setz wurde 1982 in Graz geboren, wo er Mathematik und Germanistik studierte. Heute lebt er als Übersetzer und freier Schriftsteller in Wien. 2011 wurde er für seinen Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Sein Roman Indigo stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2012 und wurde mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2013 prämiert. 2014 erschien sein erster Gedichtband Die Vogelstraußtrompete. Für seinen Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre erhielt Setz den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2015. Mit Vereinte Nationen war Setz 2017 und mit Die Abweichungen 2019 zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. 2021 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt.

Gefördert durch Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Joh. Jacob Rieter-Stiftung, Walter Haefner Stiftung, SIS Schweizerische Interpretenstiftung, Jürg George Bürki-Stiftung