mülheim absturz ruhr
Macht, Milliarden, Mindestsicherung
Im April 2018 verschwindet der Multimilliardär und Erbe des deutschen Tengelmann-Konzerns Karl-Erivan Haub unter mysteriösen Umständen bei einer Skitour am kleinen Matterhorn. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden. Haubs Verschwinden erregte immenses mediales Aufsehen und trat wilde Spekulationen über ein mögliches Doppelleben und dubiose Geschäftsverbindungen nach Russland los. Knapp 20 Jahre zuvor hatte Haub, Absolvent der Wirtschaftsuni St. Gallen, bei radikalen Um struk tu rierungsmassnahmen des Unternehmens mehr als 25 000 Mitarbeitende entlassen. Darunter: Dennis Schwabenlands Vater. Der Vorwurf: Er soll als Zentraleinkäufer am Standort Mülheim an der Ruhr einen Campingstuhl 50 Pfennig zu teuer eingekauft haben. Um die Höhe der Abfindung zu drücken, wurde er zusätzlich der Bestechlichkeit beschuldigt – zu Unrecht, wie sich später zweifelsfrei herausstellte. Für ihn und seine Familie bedeutete das jedoch den Absturz in die Sozialhilfe. Neben realen Stimmen treten unter anderem der Gartenstuhl Piccolo II, die Fernsehrichterin Barbara Salesch und J.R. Ewing aus «Dallas» als unerwartete Kronzeug:innen in Schwabenlands dokumentarischem Gegenschlag MÜLHEIM ABSTURZ RUHR auf. Sie rahmen zwei Abstürze, die gegensätzlicher kaum sein könnten – und legen die Mechanismen von Macht, Schuldzuweisung und sozialem Ausschluss offen.
Eine schonungslose Auseinandersetzung mit Klassismus, Arbeitsplatzverlust und der Fragilität gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
Gefördert durch Kultur Stadt Bern, SWISSLOS/Kultur Kanton Bern, Ernst Göhner Stiftung, Migros-Kulturprozent, Ilse und Dr. Horst Rusch-Stiftung, Burgergemeinde Bern, Gesellschaft zu Schuhmachern, Gesellschaft zu Ober-Gerwern, RaBe Radio Bern
©Fotos: Rob Lewis