james
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Die Emanzipation des James: Ein polyphones Bühnenereignis
Mona Petri und Trio interpretieren Percival Everetts Pulitzer-Preis-Roman neu.
Im Frühjahr 2026 gastiert eine Produktion in den Schweizer Kleintheatern, die das gängige Format der Autorenlesung sprengt. Basierend auf Percival Everetts Meisterwerk «James» (dem mit dem Pulitzer-Preis 2025 ausgezeichneten Roman) entfaltet das Quartett um die Schauspielerin Mona Petri eine Performance, die Literatur nicht nur hörbar, sondern als atmosphärischen Raum erlebbar macht.
Percival Everetts Roman ist eine radikale Neuperspektivierung von Mark Twains Klassiker «Huckleberry Finn». Wo bei Twain der Sklave Jim eine Randfigur blieb, rückt Everett ihn in «James» ins Zentrum – eloquent, reflektiert und mit einer eigenen, unterdrückten Stimme. Diese literarische Kraftübertragung verlangt auf der Bühne nach mehr als einer konventionellen Lesung und Feingefühl. Das Ensemble setzt auf eine kompromisslose akustische Dichte, die gerade für audiophile Hörer eine immense Sogwirkung entfaltet. Mona Petri, eine der profiliertesten Stimmen der Schweizer Theaterlandschaft, agiert hier weniger als Vorleserin denn als Medium für Everetts vielschichtigeProsa. Ihre Interpretation ist von einer szenischen Präzision geprägt, die den Rhythmus der Sprache genau austariert. Flankiert wird sie von den Multi-Instrumentalisten Pascal Biedermann (Gitarren), Samuel Baur (Drums & Percussion) und Patrik Zeller (Keys& Programming). Das Trio illustriert nicht etwa den Text, sondern webt einen eigenständigen, atmosphärisch dichten Klangteppich, der die emotionalen Schwingungen und die untergründige Spannung des Romans musikalisch übersetztund verortet.
STIMMEN ZUR PRODUKTION
Die Resonanz der Fachwelt ist einhellig: Christoph Hoigné (La Cappella) spricht von einer «literarisch-musikalischen Sternstunde», in der es gelingt, ein «tiefschwarzes Kapitel der amerikanischen Geschichte» berührend und zugleich mit dem nötigen Galgenhumor zu vermitteln. Für Ueli Burkhardt (Theater Ticino) stellt das Zusammenspiel von Text und Musik ein «fabelhaftes Gesamtkunstwerk» dar, während Basil Erny (barakuba) die Produktion als weit über eine Lesung hinausgehendes, beeindruckendes Stück Bühnenkunst empfiehlt. Das 70-minütige Stück beweist, dass die Auseinandersetzung mit grosser Literatur auf der Bühne dann am stärksten ist, wenn sie sich auf das Wesentliche konzentriert: das Wort und den Klang.